Spionage für den Frieden?

Internationale Konferenz am 7. Mai 2004 in der Jerusalemkirche in Berlin-Kreuzberg

Im Vorfeld dieser Konferenz galt es für Klaus Eichner und Gotthold Schramm von der "Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung e. V." Mitveranstalter zu finden und einen Bogen von CIA bis KGB zu schlagen, damit diese internationale Konferenz den richtigen Rahmen und die richtigen Voraussetzungen erhielt.

Zum Kreis der Veranstalter gehörten das "Berliner Alternative Geschichtsforum", die "Rosa-Luxemburg-Stiftung" Berlin und der Verein "Helle Panke". Als internationale Gäste konnten Milton Bearden, Witali W. Korotkow. Alexander Karin und Prof. Miroslav Tudjman gewonnen werden.

Die Frage, ob Spionage der Erhaltung und Sicherung des Friedens im Kalten Krieg gedient habe, ist auch 15 Jahre nach Beendigung des Kalten Krieges immer noch umstritten und ein Feld vorwiegend politischer Auseinandersetzungen. Die Historiker, soweit sie ihre Wissenschaft ernsthaft betreiben, sind sich hier weitgehend einig, die Frage ist zu bejahen und das Fragezeichen ist zu entfernen. Das ergab auch die ergiebige Diskussion.

Eingeleitet wurde die Konferenz durch die Historiker Prof. Stefan Doernberg und Prof. Siegfried Prokop über Entstehung und Entwicklung des Kalten Krieges, über Perioden verschärfter Konflikte und zeitweiliger Kooperation der beiden Militärblöcke. Damit waren die Rahmenbedingungen für das Wirken der Geheimdienste auf beiden Seiten abgesteckt. Die Nachrichtendienste waren niemals Gestalter von Politik, sondern hatten immer nur ihren politischen Führungen zugearbeitet.

Die Sichtweise des früheren KGB und des Auslandsnachrichtendienstes Russlands vertrat Oberst a.D. Witali Korotkow, während der frühere Leiter der Abteilung Sowjetunion / Osteuropa der CIA, Milton Bearden, einige Gesichtspunkte über die Rolle der US-amerikanischen Geheimdienste im Kalten Krieg vermittelte. In der Diskussion sprach außerdem der frühere Leiter des Nachrichtendienstes Kroatiens, Prof. Miroslav Tudjman.

Mit einem Referat des langjährigen Leiters der Informationsauswertung der Aufklärungsorgane der Nationalen Volksarmee, Generalmajor a.D. Alexander Karin, und einem eingereichten Beitrag des Politologen Bodo Wegmann über den Anteil der Verwaltung Aufklärung der NVA bei der Verhinderung einer militärischen Überraschung wurde die Rolle der Militäraufklärung der DDR entsprechend gewürdigt.

Oberst a.D. Korotkow beleuchtete nachrichtendienstliche Hintergründe bei der Bewältigung internationaler Konflikte, z. B. der Kubakrise 1962 oder des Kaschmirkonfliktes zwischen Indien und Pakistan. Ausführlich beschrieb er Aufbau und Wirkungsweise der geheimen Verbindungskanäle - black channels - zwischen der Sowjetführung und der Regierung der BRD unter Brandt und Schmidt, auf die insbesondere KGB-Chef Andropow entscheidenden Einfluß genommen hatte. Damit waren Motive und Hintergründe der neuen Ostpolitik der BRD für die Führung der UdSSR besser durchschaubar.

Überraschend waren die Ausführungen von Milton Bearden über die Existenz eines geheimen Verbindungskanals zwischen Führungsspitzen der CIA und des KGB, der unter der CIA-Deckbezeichnung "Gawrilow" geführt wurde. Mr. Bearden konnte Aufklärungserfolge der CIA vorwiegend auf der Grundlage von Informationen von Überläufern aus dem Osten nachweisen.

Der DDR-Kundschafter Rainer Rupp konnte mit seiner Analyse über die Kontinuität in der Expansionspolitik des USA-Imperialismus diese Unterschiede deutlich hervorheben.

Die aktuellen Beziehungen zwischen Kriegsvorbereitungen und Geheimdienstarbeit stellte der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom in seinem detaillierten Beitrag zur Vorbereitung und Begründung von Aggressionen in der Gegenwart, wie in Afghanistan und Irak, dar. Referate von Markus Wolf, Dr. Gabriele Gast und Hans Modrow rundeten das Bild der längsten deutschen Friedensepoche ab.

Die Referate geben dem Leser Raum, sich selbst ein Bild zu machen, wer nun und warum und von welcher Seite für den Frieden gearbeitet hatte.

"Spionage für den Frieden", Konferenz am 07. Mai 2004, edition ost, 184 Seiten, 10,00 Euro plus Versandkosten.

Dieter Popp
Bonn, 21.02.05


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