BND - Standort Pullach
Am 08. September 2006 wurde der Kundschafter Heinz Werner und ich zur Vernissage des Kunstfotografen Andreas Magdanz zur Vorstellung seines Buches und seiner Bilder, die er im "BND-Dorf" Pullach machen durfte, nach Aachen eingeladen.
Andreas Magdanz, den wir schon von seiner Dokumentation des Regierungsbunkers Marienthal kennen lernten, bekam die Genehmigung, ein halbes Jahr Fotos des Geländes, der Gebäude und Einrichtungen der BND-Zentrale Pullach bei München anzufertigen. Kürzlich legte er ein Fotobuch vor mit brillianten Bildern und einem Einführungstext mit dem Rückblick auf die Geschichte des BND.
Geprägt hat den Dienst Reinhard Gehlen, Spitzname "Doktor", mit Sonnenbrille und Schlapphut. Gehlen war maßgeblich an der "Operation Barbarossa", dem Überfall auf die Sowjetunion beteiligt, wurde als die Ostfront bei Stalingrad ins stocken geriet 1942 Chef der Abteilung "Fremde Heere Ost" im Generalstab des Heeres, dem Militärischen Geheimdienst. Kurz vor Kriegsende 1945 ließ er in 50 Metallkisten nachrichtendienstliches Material mit Personalia und Logistik vergraben. Dann in amerikanischer Kriegsgefangenschaft wurde man auf ihn und "seinen Schatz" aufmerksam und auf Betreiben der amerikanischen Besatzungsmacht durfte er 1946 mit "alten Freunden" in Oberursel einen neuen Geheimdienst planen und dann 1947 in Pullach seine "Organisation Gehlen" als Tochterdienst der CIA unter Aufsicht von Oberst Critchfield aufbauen. Die Verbindung zum Bundeskanzleramt hielt Hans Globke. Auf Betreiben Adenauers wurde im Februar 1956 die Dienstelle "Bundesnachrichtendienst" eingerichtet, unterstellt dem Bundeskanzleramt. Offiziell wurde die Organisation Gehlen dann am 01. April 1956 in den Bundesnachrichtendienst überführt. Da der Dienst Geld für den Übergang brauchte, half die CIA im Februar 1956 mit 2 Millionen DM aus, die dann im April gleichen Jahres aus dem Haushalt zurückgezahlt wurden.
Wie erfolgreich Adenauers Auslandsaufklärer im halben Jahrhundert seines Bestehens waren, ist schwer einzuschätzen. Bundeskanzler Helmut Schmidt jedenfalls fühlte sich von der "Neuen Zürcher Zeitung " besser informiert, wie er sich des öfteren äußerte. Allerdings kam es beim Dienst zu Vorwürfen wegen Waffenhandel, Zusammenarbeit mit der UCK im Krieg gegen Jugoslawien und nun mit der angeblichen CIA-Zusammenarbeit im Irak. Wann werden die Archive des BND geöffnet? Da werden wir noch etwas warten müssen...
Auf gesetzlicher Grundlage agiert der BND erst seit 20. Dezember 1990, als das Bundesnachrichtendienstgesetz verabschiedet wurde. Reinhard Gehlen hat den BND geprägt. Seine Nachfolger kamen und gingen wie die Regierungen, meist ohne "Duftmarken" zu hinterlassen.
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Andreas Magdanz stellte mich kurz vor. Dann durfte ich eine kurze Einführungsrede zu den 15 ausgewählten Exponaten halten, ohne die braune Geschichte des BND auszuklammern. Auch die Gäste vom BND klatschten höflich.
Einerseits drücken die technisch hervorragenden Bilder eine gewisse Endzeitstimmung des BND Pullach aus. Das kann auch daran liegen, daß der Fotograf keine Menschen ablichten durfte. Das an einigen Wänden hängende Bild des Bundespräsidenten Köhler macht die Atmosphäre nicht lebendiger. Ebenso ließ sich die enge Verbindung des BND zur bayerischen CSU nicht ablichten. Gewisse Parallelen zu Mielkes Kommandozentrale bieten sich an, allerdings sind das Mobilar und die Aktenschränke moderner als die Aktenschränke, zwischen denen sich Marianne Birthler gern fotografieren läßt. Irgendwie eine tote, vergangene Welt mit dem Atem des Kalten Krieges. Hoffen wir auf einen BND in Berlin, der international Nachrichten sammelt, "saubere" Arbeit macht und ohne "weiche" Aktionen friedensfördernd agiert.
Andreas Magdanz: BND - Standort Pullach, DuMont Verlag, Köln 2006, 191 Seiten, über 100 Abb., 35 x 30 cm, 55 Euro
Dieter Popp
14.09.06