Kundschafter im Westen
Warum Menschen in der BRD für die DDR arbeiteten.

Die Autoren:

Johanna Olbricht, Jahrgang 1926, Lehrerin und Schulleiterin, Zusammenarbeit mit der HVA seit 1963. Übersiedlung als »Sonja Lüneburg« in die BRD. Sekretärin beim Bundestagsabgeordneten William Borm (FDP), später Sekretärin bei den Generalsekretären der FDP Flach und Bangemann; Mitarbeit in der Fraktion im EU-Parlament Brüssel, Sekretärin des Bundesministers für Wirtschaft Bangemann.

1985 Rückzug aus Sicherheitsgründen in die DDR.

1991 zweimonatige Untersuchungshaft, Aussetzung gegen Kaution. 1992 verurteilt zu 2 Jahren, 6 Monaten. Nach Revision 1994 Aussetzung der Strafe auf Bewährung.

Ulrich Steinmann, Jahrgang 1944 Tätig im Rüstungsbereich der Bundeswehr; davon 13 Jahre in der Rüstungsabteilung des Bundesverteidigungsministeriums. Zusammenarbeit mit der Militäraufklärung seit 1967. Ende April 1990 verhaftet. Anklage vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf und Verurteilung zu 6 Jahren Haft, davon drei Jahre und sechs Monate abgesessen.

Hans-Joachim Bamler, Jahrgang 1925, und Marianne Bamler; Jahrgang 1935, waren seit 1963 bis zur Berentung Kundschafter/Mitarbeiter der HVA.

Übersiedlung 1964 nach Frankreich, Leiter und Mitarbeiter der NATO-Residentur in Paris.

Nach ihrer Verhaftung 1966 wurden Hans-Joachim B. zu 18 Jahren, Marianne B. zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt 1973 bzw. 1974 Austausch gegen Agenten westlicher Dienste und Rückkehr in die DDR.

Rainer Rupp, Jahrgang 1945, Zusammenarbeit mit der HVA seit 1968. Ab 1977 tätig als »Topas« im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Im Juli 1993 verhaftet und 1994 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Nach 7 Jahren Haft im Juli 2000 entlassen.

Karl Gebauer (1931-2002) war Sicherheitsbeauftragter von IBM Wilhelmshaven, wo elektronische Systeme besonders für die Bundesmarine entwickelt wurden. In dieser Funktion hatte er Kontakte zu allen Geheimdiensten der BRD. Er suchte 1975 Verbindung zum MfS und arbeitete zehn Jahre aktiv mit der Spionageabwehr der DDR zusammen.

1992 wurde er verhaftet und 1994 zu 12 Jahren Haft verurteilt, nach sechs Jahren aus gesundheitlichen Gründen entlassen.

»Harry«, Jahrgang 1922, Schlosser; Neulehrer; Kreisschulrat, arbeitete seit 1966 mit der Militäraufklärung der NVA zusammen. Er war Verbindungsmann zu einer wichtigen Quelle und wurde 1981 verhaftet. Seine Strafe von zwei Jahren und vier Monaten mußte er nicht voll verbüßen - er wurde nach einem Jahr gegen Agenten westlicher Dienste ausgetauscht.

Klaus von Raussendorff, Jahrgang 1936, war bis zum April 1990 Botschaftsrat im Auswärtigen Dienst der BRD, in den er 1961 als Aufklärer des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR eintrat. Verhaftung im April 1990. Im Juni 1991 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Düsseldorf zu 6 Jahren Haft.

Heute als Journalist und Herausgeber der Anti-Imperialistischen Korrespondenz (www.aikor.de) tätig.

Heinz H. Werner, Jahrgang 1944, tätig in der Bundesmarine (1962-1969), Bundeswehr (1969-1974), Auswärtiges Amt (1974-1990) mit Auslandseinsätzen u. a. bei der NATO in Brüssel als Funker und Chiffreur. Zusammenarbeit mit der Verwaltung Aufklärung der NVA von 1968 bis 1990.

Verhaftung im April 1990, im Oktober 1991 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu 9 Jahren Haft verurteilt.

Haftzeit von April 1990 bis November 1995.

Doris (* 1949 in Bayern) und George Pumphrey (* 1946 in Washington DC) arbeiteten mit der HVA seit 1983 zusammen.

Sie leisteten Aufklärungsarbeit in der internationalen Friedensbewegung (1983-1987) und als Mitarbeiter in der Bundestagsfraktion der Grünen (1987-1990).

1998 Verurteilung zu 7 Monaten Gefängnis, ausgesetzt auf Bewährung für drei Jahre.

Alfred Spuhler, Jahrgang 1940, seit 1968 Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), zuerst in der Abteilung II (»Technische Aufklärung«), später in der Abteilung I (»Operative Aufklärung«) im Sachgebiet »Militärische Aufklärung des Warschauer Paktes, Jugoslawiens und Albaniens« eingesetzt. Von 1972 bis 1988 Zusammenarbeit mit der HVA.

Verhaftung im November 1989. Vom Bayerischen Obersten Landesgericht im November 1991 zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Ludwig Spuhler (»Florian«), Jahrgang 1928, Technischer Angestellter am Max-Planck-Institut in München-Garching. Von 1972 bis 1988 Tätigkeit für die HVA als »Logistik-Chef« seines Bruders Alfred Spuhler (»Peter«), Quelle der HVA im BND.

Verhaftung im November 1989. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte ihn im November 1991 zu 5 Jahren und 6 Monaten Haft.

Dr. Gerd Löffler, Jahrgang 1939, Zusammenarbeit mit der Militäraufklärung seit 1975, Tätigkeit im Bereich der wissenschaftlich-technischen Aufklärung. Verhaftung 1990, Freilassung gegen Kaution.. 1994 rechtswidrige Entführung aus Österreich und Verurteilung zu 2 Jahren und 6 Monaten. Nach l3-monatiger Haft Aussetzung der Resthaft auf 3 Jahre Bewährung.

Dr. Harald Gottfried, Jahrgang 1935. Übersiedlung in die BRD im Auftrag der HVA im Jahre 1955. Tätig als Entwicklungsingenieur im Kernforschungszentrum Karlsruhe.

1968 Inhaftierung und 1969 Verurteilung zu zwei Jahren Haft. Noch im gleichen Jahr gegen Agenten westlicher Dienste ausgetauscht.

Dr. Johannes Koppe, Jahrgang 1932, Kundschafter für die HVA seit Anfang der 50er Jahre in der BRD, war fast zwei Jahrzehnte mit kernenergetischen Planungsaufgaben bei den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) befaßt, ehe er aufgrund des Verrates von Stiller 1979 in die DDR zurückkehren mußte.

In der DDR war Dr. Koppe in einer Berliner Dienststelle des Kernkraftwerkes Greifswald tätig.

Egon Streffer, Jahrgang 1946, war Mitarbeiter im Planungsstab des Bundesministeriums für Verteidigung von 1969 bis 1989.

Seit 1968 arbeitete er mit der Verwaltung Aufklärung der NVA zusammen. Er verstarb im August 1989.

Dieter Popp, Jahrgang 1938, war Resident der Verwaltung Aufklärung der NVA zur Führung der Quelle Egon Streffer.

Er wurde im Dezember 1991 zu 6 Jahren Haft und 70.000 DM Verfallsgeld verurteilt. Er war von Mai 1990 bis Mai 1994 hinter Gittern.

Klaus Kuron, Jahrgang 1936; Sachbearbeiter (Beschaffung) für die Arbeit mit Doppelagenten in der Referatsgruppe »Spionageabwehr DDR« des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln.

Ab 1982 Zusammenarbeit mit der HVA. 1990 Festnahme, im Februar 1992 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu 12 Jahren Haft und zur Zahlung von 692.000 DM Verfallsgeld verurteilt.

1998 Entlassung aus der Haft.

Inge Baude, Jahrgang 1927, geboren und aufgewachsen in Niederlauterstein im Erzgebirge, verheiratet mit Heinz Baude. Getrennte Übersiedlung in die Bundesrepublik 1956/57 nach Neuwied in Nordrhein-Westfalen. Tätigkeit als Konstrukteur,

1962 Verhaftung. Heinz Baude wurde zu zwei, Inge zu einem Jahr Haft verurteilt. 1963 Rückkehr in die DDR.

Heinz Baude, danach überwiegend mit der Absicherung von Auslands- und Reisekadern der DDR beschäftigt, verstarb 2001.

»Aktion 100«: Die HVA schickte zwischen 1954 und 1956 qualifizierte Führungskräfte in die Bundesrepublik wo sich diese als Bundesbürger niederließen. Sie wurden zur Führung wichtiger Quellen eingesetzt Obgleich die angestrebte Größenordnung (100 Personen) nicht erreicht wurde, schätzte die HVA die Aktion als erfolgreich ein.

Dr. Gerhard Feuerstein (1926-1973), Aufklärer der HVA seit 1954, u. a. in den Objekten Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Köln, Forschungsabteilung der Firma Reinz Dichtungs GmbH Neu-Ulm und der Firma Braun AG Frankfurt am Main.

Dipl.-Ing. Dieter W. Feuerstein, Jahrgang 1955, Zusammenarbeit mit der HVA seit 1972, zuletzt Entwicklungsingenieur und Sicherheitbeauftragter der Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), Unternehmensbereich Flugzeuge, Ottobrunn bei München.

Verhaftung im Oktober 1990 und vom Bayerischen Obersten Landesgericht zu 8 Jahren verurteilt

Haftzeit von Oktober 1990 bis Oktober 1994.

Heinz D. Stuckmann, Jahrgang 1922, Kölner; Journalist, Zusammenarbeit mit HVA seit 1974.

Wurde vom Oberlandesgericht Düsseldorf im August 1996 nach dreimonatiger U-Haft zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Hans Voelkner (1928-2002), Zusammenarbeit mit der HVA seit 1962 - eingesetzt als Instrukteur und Kurier einer Quelle in der NATO/Paris.

1969 in Paris verhaftet und vom Staatsgerichtshof der Republik Frankreich zu 12 Jahren Haft verurteilt. 1974 gegen Agenten westlicher Dienste ausgetauscht. Er arbeitete dann bis zu dessen Schließung 1990 im Institut für internationale Politik und Wirtschaft (IPW) in Berlin.

Dr. Gabriele Gast, Jahrgang 1943, Regierungsdirektorin im Bundesnachrichtendienst seit 1973, stellvertretende Referatsleiterin »Politische Auswertung Sowjetunion«. Zusammenarbeit mit der HVA seit 1968.

Verhaftung im September 1990. Im Dezember 1991 vom Bayerischen Obersten Landesgericht zu 6 Jahren und 9 Monaten verurteilt, davon abgesessen 3 Jahre und 5 Monate.

Wolfgang Hartmann war als Mitarbeiter der HVA seit Beginn der 60er Jahre als Werber und später als Instrukteur der von ihm gewonnenen operativen Partner im Einsatz. Einen kontaktierte er; als dieser Student war; und gewann ihn unter fremder Flagge. Später war dieser als Beamter im höheren Dienst mit den auswärtigen Beziehungen der Bundesrepublik befaßt, davon einige Jahre als Diplomat. Im Text wird er »Andreas« genannt.

»Alfred« war ein Kundschafter der HVA, der in den 80er Jahren Informationen aus einem hochsensiblen Bereich der Rüstungsforschung und -industrie in der Bundesrepublik beschaffte.

Berufliche, soziale und familiäre Gründe veranlassen »Alfred« weiterhin, seine Identität zu verbergen.

Herbert Willner, Jahrgang 1926, Zusammenarbeit mit der HVA seit 1959. Übersiedlung in die BRD 1961. Nach journalistischer Tätigkeit beim »Spiegel« 20 Jahre in der FDP-Bundesgeschäftsstelle und der Friedrich-Naumann-Stiftung; Referent für Außen-, Sicherheits-, Deutschland-, Europa- und Entwicklungspolitik.

1985 infolge einer Gefahrensituation Abberufung vom Einsatz; 1987 Erlaß eines Haftbefehls, der durch Auslandsaufenthalt nicht vollstreckbar war und nach Verjährung 1995 aufgehoben wurde.

Peter Wolter, Jahrgang 1947, aufgewachsen in Münster; anschließend fünf Jahre Seefahrt. Danach Studium der Publizistik, Soziologie und Philosophie in Münster und Westberlin, 1973 erste Kontakte zur Hauptverwaltung Aufklärung.

Schwerpunkte der geheimdienstlichen Arbeit: Verfassungsschutz, Verteidigungsministerium, Europäische Gemeinschaft.

1991 verhaftet, 1995 zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Günter Guillaume (1927-1995) und Christel Guillaume, Jahrgang 1927, arbeiteten mit der HVA seit 1953 zusammen. Übersiedlung in die BRD 1956. Beide Aufklärer in Objekten der SPD, Günter Guillaume war zuletzt als Referent von Bundeskanzler Willy Brandt tätig.

Verhaftung 1974. 1975 wurden Günter Guillaume zu 13 Jahren und Christel Guillaume zu 8 Jahren verurteilt. Beide wurden 1981 gegen Agenten westlicher Diente ausgetauscht und kehrten in die DDR zurück.

Dieter Görsdorf, Jahrgang 1937, Zusammenarbeit mit der Militäraufklärung der NVA seit 1965. Übersiedlung in die Bundesrepublik 1967. Zu seinen Aufgaben gehörte die Aufklärung von Einrichtungen, Stäben und Verbänden der Bundesmarine.

Verhaftung 1974 und zu 4 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Im Juli 1976 gegen westliche Agenten ausgetauscht.

Lorenz Betzing, Jahrgang 1930, geboren und aufgewachsen in Andernach. Klempner und Schlosser. Zusammenarbeit mit der HVA seit 1966. Tätigkeit im Regierungsbunker Marienthal, im US-Labour-Service und im Amt für Datenverarbeitung der Bundeswehr.

1985 Einsatz aus Sicherheitsgründen beendet.

Der Prozeß gegen ihn wurde wegen schwerer Krankheit ausgesetzt.

»Robert«, Zusammenarbeit mit der HVA seit 1976, in Forschungszentren tätig. Kontakte mit der CIA seit 1962.

Im Mai l994 festgenommen. Nach seiner Inhaftierung meldeten am 22. September l994 die Nachrichtenagenturen: »DDR-Spion will im Auftrag von US-Diensten gearbeitet haben, um herauszufinden, wie stark die Bestrebungen westdeutscher Politiker nach eigener Verfügungsgewalt über Atomwaffen seien, inwieweit das Verbot des Hochtechnologie-Exports in den Ostblock aufgeweicht wurde und ob erneut eine im Westen nicht voll abgestimmte Ostpolitik versucht werde. Der Angeklagte war u. a. für eine regierungsnahe Washingtoner Beratungsfirma tätig, die Aufträge in der Bundesrepublik erteilt habe.«

»Robert« wurde zu 1 Jahr und 6 Monaten verurteilt, nach U-Haft auf 3 Jahre Bewährung ausgesetzt.

Seine Ehefrau »Loni« mußte eine Geldbuße zahlen.


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