Buchpremiere: "Kundschafter im Westen" der Öffentlichkeit vorgestellt.

171 Jahre Haft der 31 Kundschafter im Westen

Eigentlich sollte es eine denkwürdige Feier im "Goldenen Saal" des Rathauses Schöneberg werden. Das paßte aber Stadtrat und Berliner CDU-Generalsekretär Gerhard Lawrentz nicht in seine Frontstadtpolitik und so verbot er bekanntlich die Veranstaltung mit dem Argument, sie wäre kommerziell.

Die Gesellschaft für Bürgerrecht und Menschenwürde (GBM) stellte ihren Kulturraum zur Verfügung und um 10:00 Uhr begann pünktlich die Buchvorstellung. Der Saal war überfüllt und viele Besucher mußten stehen. Das Podium war von Markus Wolf, Werner Großmann, Gotthold Schramm und der Kundschafterin Johanna Olbricht und dem Kundschafter Dieter Feuerstein besetzt.

Gert Julius, PDS-Stadtrat aus Schöneberg, moderierte die Veranstaltung.

Vor der Tür bei leichtem Nieselregen stand - ironisch gemeint - das "Fähnlein der sieben Aufrechten" von "Help", einem selbsternannten Opferverein mit dem Transparent: "Stasi-Kundschafter = Erpresser, Zersetzter, Verschlepper". Dazu spielten sie das Läuten der Freiheitsglocke und eine Rede Ernst Reuters vom Band ab. Das gab zwar keinen Sinn, aber die Medien (Siehe unsere Presseschau) nahmen diesen Blödsinn freudig auf. Mir wäre da schon Fritz Reuter lieber gewesen mit "Uns Festungstied".

Die IKF e. V. ist auch ein Opferverein, aber wir haben ehrliche Argumente. Mir fällt dazu Willy Brandt ein, da auch das Schöneberger Rathaus in den Vorgang involviert ist, zur Deutschen Einheit:: "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!"

Und dann dieses Kasperletheater der angeblich von Stalin verfolgten, die offenbar den letzten Schuß nicht gehört haben.

Aber nun zurück zur Pressekonferenz. Die Fragen drehten sich aktuell um Rosenholz und um Bisky und die Beziehung der Kundschafter zur PDS. Zu Rosenholz und Bisky führte Großmann aus, daß Rosenholz nichts mehr hergebe und Bisky auf die Frage seines "IM" hätte antworten sollen: "Na und?". Außerdem fühle man sich von der PDS kaum noch vertreten.

Dann die Frage nach der Auflage. 4.000 Stück; ist das nicht zu wenig? Bei der Aufmerksamkeit, die das Buch erfährt, wird es dabei sicher nicht bleiben. Der Verleger beruhigte die Presse. Heute in der BRD gäbe es ja kein Papierproblem...

Mit der Auslieferung soll Mitte September begonnen werden.

Der "MDR" berichtete in seinen Abendnachrichten: "Die Arbeit der Kundschafter hatte nicht nur nostalgische, sondern auch bittere Seiten." Wie wahr. Aus dem Archiv Austausch auf der Glienicker Brücke.- Nur die meisten Kundschafter kamen nicht mehr in den Genuß des Austausches. Sie mußten ihre hohen Strafen absitzen. Auch die Familien wurden nicht mehr von der DDR unterstützt, von der anwaltlichen Vertretung ganz zu schweigen.

Die Presse reagierte nicht unbedingt wohlwollend, aber auch nicht ausgesprochen bösartig. Einige Beiträge haben wir in unserer "Presseschau" zusammengetragen.

Dieter Popp

Ansprache von Fritz Streletz »


Markus Wolf, Johanna Olbricht, Gotthold Schramm und Dieter Feuerstein (v.l.n.r.)

Foto: www.mz-web.de


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